Foodie-Tour durch Ho-Chi-Minh City

gallery July 30, 2014 3 responses

Rasendes Tempo, plötzliches Bremsen, Überholmanöver, rote Ampeln gibt es nicht, von Zebrastreifen weit und breit keine Spur, gefühlte drei Millionen Motorroller umzingeln uns, Menschenmassen schlängeln sich durch den fließenden Verkehr – willkommen in Ho-Chi-Minh City! 

So sehr ich mich auf dieses Land gefreut habe, der erste Eindruck ist überwältigend und für den behüteten Europäer eine – sagen wir – minimale Umstellung. Das ist einer der Momente, in denen ich unendlich dankbar bin, dass ich meinen Ruhepol neben mir sitzen habe. Es wird nicht nur alles gut gehen, es geht auch alles gut. Und so bringt uns unser Taxi-Fahrer tatsächlich unversehrt zu unserem Hotel, das sich inmitten dieser beeindruckenden Stadt als Refugium entpuppt. Das Nikko Saigon zieht uns sofort in seinen Bann. Das Versprechen „Erholung“ kommt ihr hier nicht zu kurz.

Wir könnten stundenlang von den kleinen Erlebnissen auf den Straßen, den vielen Menschen, und der Leichtigkeit, die wir dort erlebt haben, berichten. Dann würde sich aus dem Beitrag allerdings ganz schnell ein Reistagebuch entwickeln. Also komme ich zu dem Erlebnis, das die Vietnamreise (unter anderem) so einzigartig und besonders gemacht hat: Vor Reiseantritt hat Julian eine Foodie-Tour gebucht. Für uns konnte es ja gar nichts Spannenderes geben.

Etwas nervös vor dem, was uns an dem Tag erwarten wird, stehen wir startklar vor unserem Hotel. Zwei zierliche Vietnamesinnen schießen auf ihren Rollern um die Ecke. „Puh, noch mehr Nervenkitzel“, schießt es mir sofort durch den Kopf. Meine Knie zittern. Es hilft nichts, Augen zu und ab auf den Roller. Auf geht die wilde Fahrt. Die Foodie-Tour ist eine der beliebtesten und meistgebuchten Touren in Ho-Chi-Minh City. Zu recht. Innerhalb von fünf Stunden werden wir mit unseren Guides die Stadt und typische Streetfood-Stationen besuchen. Und natürlich testen. Vergessen wir in diesem Moment gedeckte Tische, Service und Chichi. Hier tobt das wahre Leben. Gekonnt schlängeln sich die zwei Vietnamesinnen mit uns als Gepäck durch den Verkehr. Ich atme tief ein…und tief aus. Julian scheint es besser zu gehen. Zack, es geht einmal quer über die Straße, ein Reisebus steuert von rechts auf mich zu, ein Schwarm von Rollern kommt von links. Noch einmal die Augen zukneifen und wir befinden uns in einer kleinen Einfahrt direkt an den Hauptstraßen von Ho-Chi-Minh City. Eine Frau begrüßt uns und füllt an einem kleinen offenen Wagen bereits erste Teller auf. Was wird das wohl sein? Hier treffen wir auch den Rest der Foodie-Mitreisenden. Ein Pärchen aus Südafrika und eine Handvoll Japaner. Es wird frische PHO BO serviert. Dazu gibt es verschiedene Kräuter wie Minze und Thai-Basilikum, die man sich nach Geschmack in seine Suppe geben kann. PHO BO ist das Nationalgericht der Vietnamesen und für uns der pure Genuss. Eine Brühe mit hauchdünnem Rindfleisch, Reisnudeln und Kräutern. Wer sich übt, kann die Suppe auch bei warmen Temperaturen zum Frühstück essen. Wir haben es am Ende unserer Reise nur noch gemacht (trotz Schweißausbrüchen). Leichte Kost, die dem Magen nichts tut.

Xo Foodie TourUnser Tourguide Tung beherrscht die englische Sprache einwandfrei und bereitet uns bestens auf das vor, was uns während der Tour erwarten wird. Über zwanzig Minuten geht die nächste Fahrt zum zweiten Stopp. Allmählich schwindet meine Ängstlichkeit und ich genieße die atemberaubenden Eindrücke im Fahrtwind. Unsere Fahrt führt uns durch China-Town. Hier tummeln sich Fische, Krebse, Hühner – bereit für den Verzehr. Die Straßen sind eng und holprig. Wie erhaschen einen Blick auf den großen Markt Cho Binh Tay, der allerdings mehr von den Einheimischen besucht wird. Der nächste Streetfood-Stop ist ein riesiges Gelände. Niedrige Plastiktische- und stühle wohin das Auge reicht. Es ist heiter. Hier genießen die Locals den Abend. Ich zwänge mich in einen roten Plastikstuhl (den ich eher aus Zeiten von Kindergeburtstagen kenne) und klemme mit Ach und Krach die Beine unter den niedrigen Tisch. (Man kommt sich wirklich sehr stämmig vor) Kleine Tischgrills werden verteilt. Es gibt Hühnchen, Scampi und Froschschenkel und vegetarische Reisrollen. Himmlisch! Ok, die Froschschenkel habe ich Julian überlassen – er sagt „es sei das bessere Hühnchen.“ Hört man übrigens öfter. Weiter geht’s zur „Dessert-Station“. Hier erwartet uns traditionelle vietnamesische Karamellcreme mit frischer Kokosnuss. (Ich habe dieses Dessert ab diesem Tag drei Wochen lang nur noch gegessen.) Der leicht herbe Geschmack des flüssigen Espresso unter der Creme harmoniert fantastisch mit der Süße der Creme. Paradiesisch. Die Foodie-Tour wäre keine vietnamesische Food-Tour, wenn uns nicht doch etwas „echtes“ Traditionelles erwarten würde. Es werden Eier gereicht – eine Spezialität, die sich Balut nennt. Nein, kein typisches Frühstücksei – sondern ein Embryo. EIN EMBRYO! Das Ei wird oben vorsichtig gepellt. Im Inneren befindet sich ein bereits fertiges kleines Küken. Die Flüssigkeit soll an erstklassige Hühner-Consommé erinnern. Diese wird aus dem Ei geschlürft. Die meisten aus unserer Gruppe mussten passen – wir auch. Eine taffe Südafrikanerin stellte sich der Herausforderung. Ihr gilt meine ganze Anerkennung!

Fünf Stunden wahres Straßenleben mit wirklich hervorragendem Essen – auch wenn ich mich nicht für jedes Nationalgericht begeistern konnte. (Den Vietnamesen würden sich bei Schwarzbrot und fettiger Currywurst sicherlich auch erstmal der Magen umdrehen.) So hat jeder seine Kultur und das ist auch gut so. Trotzdem haben wir unheimlich viele kulinarische Eindrücke sammeln können. Reisrollen, Pho Bo und Karamellcreme gehören ab sofort zu meinen absoluten Leibgerichten. Dazu kommt die Vielfalt der Kräuter und Gewürze, die jedem Essen erst den Kick geben.

Wenn wir eines empfehlen können, dann ist es diese Foodie-Tour!

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3 responses

  • Oh wow, was für ein famoser Blog!
    Ich bin gerade von Luzia Pimpinella rübergehüpft und freu mich wie Bolle über Eure Foodtour-Erfahrungen in Vietnam. Das steht bei uns nämlich nächstes Jahr auf dem Plan. Und Foodtouren sind überhaupt die allerbeste Möglichkeit, eine fremde Stadt kennen zu lernen, find ich.
    Und jetzt stöber ich noch ein bisschen weiter bei Euch – zwar ohne einen Allesverloren Port, dafür mit einem Vergelegen Sauvignon Blanc.
    Cheers!
    Conny

    • Svenja
      Svenja

      Liebe Conny, vielen Dank für diese große Portion Komplimente, die uns sehr freut. Vietnam war einmalig und wie du auch sagst: besser kannst du Tradition und Ursprung einer Stadt nicht kennenlernen. Bin gespannt, was ihr erleben werdet! Einen guten Start in den Tag und liebe Grüße, Svenja

  • […] dort einen unvergesslich schönen und bereichernden Urlaub verbracht. Ein Highlight war eine Foodie-Tour , von der ich auf Mahltiet berichte. Wenn ich das ab und zu mal wieder lese, fühle ich mich […]

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